Windows ohne Browser: Da könnt Ihr lange suchen – Europa bekommt Windows 7 ohne Internet Explorer
von Raymond Wiseman
Windows 7 soll in Europa ohne Internet Explorer ausgeliefert werden. Mit dieser Mitteilung nimmt Microsoft Bezug auf das laufende Verfahren der Europäischen Kommission. Sie sieht das Bundling von Betriebssystem und Browser zwar nicht allgemein, doch im Fall von Windows und IE als Gefahr für das europäische Wettbewerbsrecht. Andere Browser-Hersteller, allen voran Opera, hatten bei der EU protestiert.
Dass und wie nun Microsoft reagiert, hatten sich die Wettbewerbshüter nicht ganz so vorgestellt. Nachvollziehbar. Einfach keinen Browser vorzuinstallieren und dem Anwender die Wahl zu lassen, für seinen Zugang zum Internet selbst zu sorgen, löst aus Sicht der EU das Problem nicht, denn
- erstens braucht es einen Internetzugriff für die Wahlfreiheit,
- zweitens muss der Anwender wissen, was er sucht und
- drittens muss er bereit sein, die zusätzliche Installation auf sich zu nehmen.
Microsoft will seine Kunden unterstützen und wird einfach einzurichtende, separate Installation zur Verfügung stellen, auf die sowohl Endverbraucher als auch PC-Hersteller zurückgreifen können. Es steht Ihnen allerdings frei, auch einen anderen Browser zu installieren. Die Angst, dass PCs ohne Browser ausgeliefert werden, ist also zumindest bei vorinstalliertem Betriebssystem sicher unbegründet. Wie viele Hersteller dabei auf den Internet Explorer zurückgreifen werden, wird sich zeigen.
Die EU-Kommission hätte es lieber gesehen, wenn Microsoft selbst auch die Mitbewerber im Browser-Markt gleich ins Betriebssystem integriert hätte. Mit dieser Erwartung schießen sie aber offensichtlich über das Ziel hinaus. Microsofts Entscheidung nimmt ihnen auf jeden Fall argumentativen Wind aus den Segeln. Eine ungewöhnliche Sympathiewelle für Microsoft, wie sie dem Konzern selten widerfährt, zeigt sich in den Kommtaren der Online-Medien, beispielsweise als Reaktion auf den Artikel „Windows 7“ kommt in Europa ohne Browser. Selbst bei Heise online fallen die Reaktionen auf den Bericht EU vs. Microsoft: Windows 7 in Europa ohne Webbrowser differenzierter als üblich aus.
Im Endeffekt werden sicher weiterhin viele Anwender, ob aus Gewohnheit, Bequemlichkeit oder Verunsicherung, wieder auf den Internet Explorer zurückgreifen. Und auch Administratoren von Windows Server Netzwerken setzen sicherlich weiter auf den Internet Explorer, ist doch dieser Browser am besten auf hauseigene Services wie Outlook Web Access und Sharepoint abgestimmt. Andererseits hat der Firefox bewiesen, dass sich auch ohne diese Hilfestellung um die Marktführerschaft kämpfen lässt. Laut der Marktforschung von Fittkau & Maaß, könnte Firefox ”Ende 2009 Firefox endgültig die Marktführerschaft übernehmen“. Ob das abgespeckte Windows 7 anderen Browsern zu größerer Marktpräsenz verhilft, muss sich zeigen. So setzt Chrome ja auf den Google Zugriff und etabliert sich eher als flotter Zweitbrowser, während Safari seine Fans eher in der Mac-affinen Ecke findet. Es bleibt zumindest eine Chance für Opera. Und die ist berechtigt. Eine neue Runde im Browserkampf um Marktanteile aber läutet die Entscheidung gewiss nicht ein.
P.S. In Microsofts deutschsprachiger Vorankündigung von Windows 7 und im bis Ende Juni verfügbaren Release Candidate ist der Internet Explorer noch drinnen.
P.P.S. Jörg Schieb erhofft in seinem Blog, dass die Hersteller “sogar einen schönen Strauß von Browsern vorinstallieren”. Das wäre eine gute Option. Wir werden sehen.


[...] Browser, das war der letzte Stand der Dinge in Windows 7, jedenfalls soweit es Europa betrifft. Der Internet Explorer sollte bei Windows 7 fehlen. Mit diesem Schritt wollte Microsoft in vorauseilendem Gehorsam die Anforderungen des laufenden [...]