User-Latein: Wie Poweruser Amateuren die Arbeit am PC erklären
von Raymond Wiseman
Computer sind schnelle Rechner. Das scheint auf den Menschen vor dem Bildschirm abzufärben. Nicht, dass er jetzt schneller Kopfrechnen könnte. Nein, der PC-Anwender wirkt nur etwas gehetzt, so als ob der schnelle Takt des Computers auch ihn treibt. Wenn er angesprochen wird, sagt er “Moment mal”, und starrt auf den Bildschirm. Die Situation ändert sich schlagartig, wenn der PC-Anwender einen PC-Eleven kennenlernt. Erfahrene PC-Kenner lassen einen Einsteiger nie im Stich. Schließlich kann sich der Anwender noch genau an sein erstes Mal erinnern: Ja, auch er hatte einst Angst, Funktionstasten zu nahe zu kommen. Aber heute weiß er, mit welchem Befehl er die Maschine beherrscht.
Langsam aber sicher hat sich der Mensch vor dem Monitor vom Kollegen zum PC-User gewandelt. Kommt die Rede auf Computer, dann quillt der Anwender geradezu vor Mitteilungsbedürfnis über. Daher kann jeder, der noch nie mit einem PC gearbeitet hat, auf den User zählen. Setzt sich der Einsteiger sich zum ersten Mal vor einem Monitor, lässt der Anwender seine Arbeit liegen – selbstverständlich auch Terminsachen – und eilt heran. Nichts hat Vorrang, wenn seine Mitmenschlichkeit in Sachen “Maschine” gefragt ist. Von Stund an blickt er über seine Schulter, erklärt, kommentiert und greift hilfreich ein. Der Neue versteht am Anfang allerdings noch wenig von dem, was er sagt.
“Am besten, Du drückst immer zuerst Alt, dann kannst Du mittels der Buchstabenkurzwahltasten das gewünschte Menü öffnen,” so belehrt er. Voll Freude versteht der Einsteiger “Menü” und schaut auf die Uhr, ob schon Mittag ist. Der PC-Kenner aber bemerkt den Blick auf die Uhr. Er nutzt die kleine Warteschleife, fällt dem Neuling ins Kreuz, krümmt seinen Zeigefinger und tippt auf ein paar Tasten. Diese Aktion kommentiert er mit den klärenden Worten: “Siehst Du.” Der Einsteiger sieht und der User siegt: Die einzige Chance einem Anwender zu entgehen ist, selbst einer zu werden.



















