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… was unter die Finger kommt …

TechCrunch veröffentlicht geheime Twitter-Dokumente: Vor der Publikation vertraulichen Materials wirft sich Arrington in Pose

von Raymond Wiseman

Die Grenze zwischen Information  und Verrat ist fließend. Das beweist momentan TechCrunch, eines der wichtigsten und bekanntesten Technik-Blogs. Ein Hacker hat TechCrunch nach eigener Aussage 310 Dokumente zugesandt, deren Inhalte nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Teilweise scheint es sich hierbei um strategisches Material von Twitter zu handeln, teilweise um privates Material von Mitarbeiter und sicherlich teilweise um höchst uninteressantes Material, dessen Veröffentlichung nur langweilen würde. So will dann TechCrunch-Gründer Michael Arrington zusammen mit seiner Mannschaft eine Auswahl treffen und das Material publizieren. Das ist eine redaktionelle Entscheidung, deren Wert sich nur im Nachhinein ermessen lässt. Ob der Vertraulichkeitsbruch, den der Informant begangen hat, die Information der Öffentlichkeit lohnt, werden wir anhand des Materials beurteilen.

Was uns aber stutzig macht, ist der Hype, den TechCrunch im Vorfeld initiierte. Anstatt dass die Herren und Damen ihre Verantwortung enst nehmen und selbst eine Entscheidung treffen, so wie es in jeder normalen Redaktion an der Tagesordnung ist, machten sie ein Riesenbohei: Sie fragten ihre Leser nach Ihrer Meinung, ohne allerdings eine einzige relevante Entscheidungsgrundlage mitzuliefern. Und flugs entspann sich eine unfundierte Diskussion über Ethik und Geheimnisverrat, Persönlichkeitsrechte und Informationsbedürfnis. Wohlgemerkt: Keiner der Diskutanten konnte beurteilen, was da angeblich ins TechCrunch-Postfach gelegt worden war.

Trotz aller Lücken im Nachrichtenapparat war sich die Mehrzahl der Leser einig, dass die Beschaffungskriminalität, die das Twitter-Material TechCrunch zuspielte, nicht noch durch Publikation belohnt oder verstärkt werden solle. Das wundert ein wenig, machen doch einerseits Enthüllungen einen Großteil der Attraktivität der Internet-Information aus, und war doch andererseits gar nicht bekannt, ob lesenswerte Offenbarungen im Konvolut enthalten sind. So hat Michael Arrington durchaus recht, wenn er betont, dass es zu TechCrunchs täglichem Geschäft zählt, vertrauliches Material öffentlich zugänglich zu machen.

Basierend auf dieser simplen Erkenntnis und als Resultat der einfachen Tatsache, dass außer der Redaktion und dem Hacker keiner die Inhalte des Infopakets kennt, hat Arringtons Redaktion dann entschieden: Entgegen der Mehrheitsmeinung ihrer Leser werden sie Ausschnitte aus dem Twitter-Kram veröffentlichen. Ob sich’s lohnt, daran lässt schon die erste Enthüllung zweifeln: Sie geht um Twitters TV-Show, ein Projekt, das schon im Mai an die Öffentlichkeit drang. Abgesehen davon, dass sich in den letzten drei Monaten kein Neuigkeitswert ergeben hat, langweilt das entlarvte Konzept eher. Wenn die restlichen Enthüllungen den gleichen Wert haben, legen wir lieber die Decke des Schweigens drüber. Dafür lohnt sich kein Enthüllungsjournalismus.

Vor allem aber lohnt sich keine große Welle im Vorlauf, wenn alles dahinter verplätschert. Unnötig war vor allem der große TechCrunch-Anlauf zur Disclosure-Aktion: Redaktionell gesehen ist es ein Offenbarungseid, die Leser über etwas entscheiden zu lassen, was keiner kennt, sich dann aber in keiner Weise ums Votum zu kümmern. Wer hat da eigentlich das Sagen? Ober handelt es sich eher um eine eher unwürdige Marketingaktion, die schon die einzige wichtige Enthüllung enthält: Es gibt ein Loch im Informationsmanagement von Twitter. Wenn dem so ist, folgt nun nur noch Belangloses. Wen dem nicht so ist, verstehen wir nicht, warum sich TechCrunch zunächst so ziehrt. Professioneller wäre es gewesen, erst einmal das Material zu sichten, dann eine Entscheidung zu treffen und danach mit Fakten an die Öffentlichkeit zu gehen.

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Eine Reaktion zu “TechCrunch veröffentlicht geheime Twitter-Dokumente: Vor der Publikation vertraulichen Materials wirft sich Arrington in Pose”

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    Hack auf Twitter…

    Wie zdnet berichtete, wurde die Zwitscher-Plattform Twitter im Mai erneut Ziel eines Angriffs.

    Dem englischsprachigem Blog TechCrunch (nach eigenen Angaben >3 Mio Leser, PageRank 8) wurden hunderte vertrauliche interne Dokumente von Twitter zugespi…

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