Niederrheinischer Radwandertag: 3.000 Kilometer Fahrradstrecken verzücken Biker und lassen Fußgänger erschrecken
von Raymond Wiseman
Radeln in der Fahrgemeinschaft: Der Niederrheinische
Radwandertag lädt auf 3.000 Kilometer Radwanderweg zum Massenspektakel ein. Rund 30.000 Teilnehmer werden heute – am 5. Juli 2009 – erwartet, das macht dann 10 Radler je Kilometer. Unter Ihnen viele Menschen, deren Fahrrad den größten Teil des Jahres eher als Parkhindernis die Garage verstellt. Sie gliedern sich ebenso wie geschwindigkeitssüchtige Rennradler oder unaufhaltsame Mountainbiker in den Pulk der Radwanderer ein.
Besonders beliebt aber ist das Gruppenradeln, was die Fortbewegung zum Social Event erhebt. Die Tretgemeinschaften zeichnen sich vor allem durch hohe Lautstärke der Gespräche und unkontrolliertes Wechseln der Fahrspur aus. Hiervon können Spaziergänger ebenso wie Jogger, Hundebesitzer ebenso wie Reiter ein Lied singen:
Entweder rasen auf unseren Fersen lautlos von hinten Einzelbiker heran und klingeln im letzten Augenblick, bevor sie ungebremst die Kollisionsspur wechselt und haarscharf in Augenhöhe vorbeihuscht, um dann milimetergenau wieder einzuscheren und Mensch und Tier verschreckt zurückzulassen.
Oder wir hören schon Minuten vorher die lärmende Schar, die sich aus mehreren Großfamilien zusammensetzt, die einmall in Sichtweite mit mindesten vier bis fünf Parallelradlern stur des Weges Breite beanspruchen, sodass uns letztlich nur der Sprung ins Gebüsch bleibt, um nicht vom dreirädigen Gefährt der Großeltern oder Kleinkinder überrollt zu werden. Die Schimpfkanonade des folgenden und treibenden Familienoberhaupts bleibt uns allerdings trotz beherzter Selbstrettung nicht erspart.
Solange die Masse rollt, wird die Minderheit zum Verkehrshindernis. Abstimmung mit den Füssen: So ist der Radwandertag gelebte Demokratie für alle. Kritik? Nein, nein. Da könnte ja jeder kommen. Wir allerdings bleiben einstweilen lieber daheim und warten, dass die Welle vorüberschwappt. Dann lässt sich auch wieder in Ruhe radeln.

