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… was unter die Finger kommt …

Konversation mit Handy: Leitbilder von Barbara Schöneberger bis Boris Becker

von Raymond Wiseman

Babs hat ein neues Celly. Sie sagt nie Handy, weil sich das plump anhört. Cell Phone klingt schick, Mobile auch. Welches Mobiltelefon sie hat, weiß sie nicht. Irgendsoeins von Nokia, sagt sie. Ist es aber nicht. Auch die Typennummer kennt sie nicht. Sie hält es da mit Ihrer Namensbase Barbara Schöneberger. Die beklagt sich auch darüber, dass es eine Kunst sei, technische Produkte beim Namen zu nennen. Besser gefiele ihr die Bezeichnung: “Das Nokia-Handy, das jetzt alle haben, das oben so ein Bibbelchen hat”, also “das gleiche, das auch der Boris Becker hat.”

Da haben wir es: Der Mann ist der Maßstab aller Dinge. Vor allem, wenn er prominent ist. Selbst wenn es sich um Boris handelt, der sich ja mit “Ich bin drin” nicht gerade als Koryphäe des digitalen Zeitalters profiliert hat. Dennoch, es reicht für den Wiedererkenneffekt. Und der ist wichtig. Schick und exklusiv und jeder soll es gleich sehen. Was alle haben, will ich auch. Das beweist Apples iPhone: Wer es aus der Tasche zieht, ist sexy. Immerhin hat es aber einen Touchscreen. Prima: Da langen die Herren gern mal zu. Mit Begeisterung betatschen wir die neuen Handys. Internet, Foto und Navigation: Alle Daten am Mann, Kommunikation pur und schweigsam blicken wir auf Display.

Babs telefoniert lieber. Daher kümmert es sie nicht, dass sie mit Ihrem Mobile Phone auch Web-Seiten aufrufen kann. Das überlässt sie mir. Beispielsweise zeigt ihr Handy auf Fingerdruck das Wetter an. Super Funktion! Findet auch Barbara. Sie drückt mir das Gerät in die Hand und sagt, schau mal, wie das Wetter wird. Ich tippe drauf und sage: Sonnig. Später regnet es und ich bin dann schuld, dass wir keinen Schirm dabei haben. Jetzt verstehe ich, warum sie wichtige Informationen nicht selbst abruft.

Babs Mobile klingelt. Es macht die Handtasche zur Disco. Peinlich? Irrtum! Babs ist stolz: Alle gucken, als Sie im Café ihr Celly aus der Tasche zieht. Vor allem Freundin Anna. Babs lässt es noch mal läuten, bevor sie drangeht. Der Anrufer hat inzwischen aufgelegt. Das macht nichts, denn Anna ist begeistert. Sie will nun auch das Modell von Babs, und nicht das von Boris. So nimmt Babs die Emanzipation in die weibliche Hand. Mir gibt sie das Handy, damit ich sage, welcher Typ es ist. Es ist ein HTC Touch Diamond P3700. Das ist mein Beitrag zu Unterhaltung. Ansonsten: Kein Anschluss unter dieser Nummer.


Eine Reaktion zu “Konversation mit Handy: Leitbilder von Barbara Schöneberger bis Boris Becker”

  1. Leon

    Amüsant.

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