qwertz-verlauf

… was unter die Finger kommt …

Eine Leere für die Börse: Unter unseren Mitarbeitern sind auch die ausländischen Bürger – Eine Mail zum globalen Finanzverkehr

von Raymond Wiseman

Manchmal überraschen uns freudige Nachrichten, manchmal Briefe von Menschen, mit denen wir schon länger keinen Kontakt mehr hatten, manchmal aber erfreuen uns aber auch Täuschungsversuche, die so plump sind, dass wir am Geisteszustand, wenn nicht gar an der bösen Absicht des Absenders zu zweifeln gewillt sind. So fand sich denn in meinem (und sicherlich in Millionen anderer Postfächer) folgende Mail, die persönlich an “Xsvgdb” gesandt in mir selbstverständlich den richtigen Adressaten fand. und auch der Betreff: “Wir bieten Ihnen die wunderschoene Arbeit an” machte mich sofort neugierig.

Schoenen guten Tag!

Ich bin der Skillmanager der groessten internationalen Gesellschaft (der Firma) «West Union Group». Schon viele Jahre gewähren wir die Finanzdienstleistungen fuer unseren Kunden in den ganzen Welt, und deshalb unter unseren Mitarbeitern sind auch die ausländischen Bürger.

Ja, das weckt Vertrauen. Jahrelange Erfahrung im internationalen Geschäft ohne sich von Regeln und Sprachkonventionen stören zu lassen. Dafür wird dann aber “Gesellschaft” mit “Firma” übersetzt, damit auch nicht gesellschaftsfähige Adressaten verstehen, dass es sich nicht um eine unseriöse Betrugsmail, nein, nein, sondern um ein Anschreiben eines Unternehmens von globalem Rang handelt. Das belegt auch das Personal, vertrauenswürdig und grenzüberschreitend “unter unseren Mitarbeitern sind auch die ausländischen Bürger”. Alle ausländischen Bürger, fragen wir verschämt vor solcher Giganz. Und das alles für “unseren Kunden in der ganzen Welt”: Das ist groß und ehrlich, gibt der Absender doch zu, dass er nur einen einzigen Kunden hat, auf den er seine Finanzdienstleistungen in der ganzen Welt ausrichtet.

Unsere Gesellschaft arbeitet in verschiedenen Richtungen, unter ihnen:

- die Finanzberatung

- die Eröffnung der Firmen (sogar im Ausland)

- die Eröffnung und die Begleitung der Bankrechnungen

- usw.

Hier wird es zunehmend konkret. Die Finanzdienstleitungen “fuer unseren Kunden in der ganzen Welt” des ersten Abschnitts werden also als Finanzberatung erbracht. Ja, wenn das kein Vertrauen weckt, zumal sogar Firmen eröffnet werden, und das sogar im Ausland. Und da wird dann nicht nur der Briefkasten als Unternehmenssitz geleert, sondern auch so manches Bankkonto, usw. wie es total offen im Anschreiben heißt.

Zur Zeit nehmen wir die Mannschaft der regionalen Manager aus Deutschland zusammen. Wir bieten Ihnen die wuerdigen Bedingungen der Arbeit an. Das Gehalt bildet 2.500 Euro + die Preisen. Diese Arbeit gibt Ihnen eine gute Gelegenheit, auf der Haelfte des Satzes zu arbeiten. Dank unserem flexiblen Zeitplan können Sie die Stunden selbst wählen, wenn Sie arbeiten moechten. Wenn Sie an unser Angebot interessiert haben, bitte, schicken Sie uns Ihre Zusammenfassungen per E-Mail: ((gelöscht))

Aber nun kommt die große Chance: Wir sind eingeladen, uns zusammen nehmen zu lassen. Wer möchte da nicht dabei sein, zumal uns die “wuerdigen Bedingungen der Arbeit” geboten werden. Dazu gehört offensichtlich vor allem ein interessantes mathematisches Modell, denn neue Kollegen arbeiten nicht nur für “2.500 Euro + die Preisen”, welcher Mehrwert darunter auch immer zu verstehen sei, sondern hat außerdem die “gute Gelegenheit, auf der Haelfte des Satzes zu arbeiten.” Da wünsche ich mir doch, auch der Firmeninhaber sei in seinem Schreiben bei der Hälfte des Satzes geblieben. Doch er fährt fort, man könne “die Stunden frei waehlen”, aber selbstverständlich nur “wenn Sie arbeiten moechten”. Zusammenfassungen erbeten: “Wenn Sie an unser Angebot interessiert haben”. Trefflich!

Achten Sie Darauf!

Wir suchen nach die Menschen, die das Recht auf die Arbeit in Deutschland haben.

Ja, dem Rat folge ich gern, und behalte unser “Recht auf die Arbeit in Deutschland”. Und ich ziehe die Quintessenz: Wenn schon die Finanzboykotteure sich so blöd anstellen, was soll ich mir noch von den Bankrotteuren erwarten. Das sollte meiner Börse eine Leere sein.

Divide et impera:
  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • LinkedIn
  • Google Bookmarks
  • Yahoo! Bookmarks
  • Live
  • MisterWong.DE
  • Blogosphere News
  • Digg
  • del.icio.us
  • Posterous
  • Webnews.de
  • Identi.ca
  • Technorati
  • RSS
  • E-mail this story to a friend!
  • Print this article!

Einen Kommentar schreiben

Werbung

Ein Technik-Blog von Raymond Wiseman

  • Copyright © 2010 by: QWERTZ • Template by: BlogPimp Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.