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	<title>QWERTZ &#187; 7. Schreibwerkzeug</title>
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	<description>... was unter die Finger kommt ...</description>
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		<title>Spinvox transkribiert Mailboxansagen mit Hilfestellung: Taktik statt Technik &#8211; manuelle Texteingabe statt Spracherkennung</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Aug 2009 12:00:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Raymond Wiseman</dc:creator>
				<category><![CDATA[3. Software]]></category>
		<category><![CDATA[4. Internet]]></category>
		<category><![CDATA[6. Telefon]]></category>
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		<description><![CDATA[Wörtliche Rede, schwere Sprache. Das kann jeder bestätigen, der schon einmal mit einer Spracherkennung gearbeitet hat. Der Mensch denkt und der PC renkt die Wörter hin, wie er es versteht. Mit Mikrophon, Lautsprecher und Soundkarte sollen Texte sich direkt akustisch erfassen lassen, auf dass dann der Computer phonetische Zeichen in graphische wandle, wiewohl der Rechner [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wörtliche Rede, schwere Sprache. Das kann jeder bestätigen, der schon einmal mit einer Spracherkennung gearbeitet hat. Der Mensch denkt und der PC renkt die Wörter hin, wie er es versteht. Mit Mikrophon, Lautsprecher und Soundkarte sollen Texte sich direkt akustisch erfassen lassen, auf dass dann der Computer phonetische Zeichen in graphische wandle, wiewohl der Rechner nicht weiß, was er schreibt.</p>
<p>Letzteres ist ein Problem, da sich Sinn oft nur aus dem Kontext ergibt. Gerade wenn die Sprachqualität zu wünschen übrig lässt, ist es für die Maschine schwer, die richtigen Worte zu finden. So erstaunt es nicht, dass die sprecherunabhängige Transkription noch immer zu wünschen übrig lässt. Immer? Nein, denn Spinvox bietet anscheinend eine überzeugende Lösung: Ansagen, die auf dem Anrufbeantworter des Mobiltelefons hinterlassen werden, wandelt der Dienst in Texte, die per SMS und Mail den Adressaten erreichen. So geht keine wichtige telefonische Mitteilung verloren, selbst wenn wir nicht in der Lage sind, das Gespräch anzunehmen. So überzeugend der Service, so zweifelhaft ist seine technische Umsetzung. (<a href="#Spinvox">Doch davon am Ende mehr</a>.) Auf jeden Fall wünschten wir uns auch für den PC eine sprecherunabhängige Spracherkennung, bei der wir ohne Training und Personenbeschränkung einfach drauflosreden könnten, gerne auch mit mehreren Personen. Mitschriften von Telefonaten, Diskussionen und geistreichen Unterhaltungen (selbstverständlich nach vorheriger Ansage), ließen sich so leicht archivieren und rasch durchsuchen. Doch noch sind wir nicht soweit.</p>
<p>Zwar hat die Technik in den letzten 10 Jahren hier erstaunliche Fortschritte gemacht, doch noch immer bedarf der gesprochene Text der Nachbearbeitung. Das gilt, obwohl alle funktionierenden Diktiersysteme, die Sprache in Text wandeln, vorab trainiert werden müssen. Das heißt, vor der Transkription muss die Software den Sprecher und seine Ausprache erst einmal kennenlernen, um anschließend durchaus passable Texte zu schreiben.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-546" title="Lorelei" src="http://www.qwertz.de/wp-content/uploads/2009/08/Lorelei1.jpg" alt="Lorelei" width="482" height="571" />Ein Blick zurück lehrt uns, dass dies nicht immer so war. Vor rund einem Dutzend Jahren teste ich Dragons Natural Speaking und IBM ViaVoice mit Heinrich Heines &#8220;<a href="http://www.lyrikwelt.de/gedichte/heineg4.htm">Lorelei</a>&#8220;. Das Ergebnis war nicht gerade textnah, wohl aber kreativ und insprierend: Natürliche Spracherkennungen entwickeln durchaus ihre dichterische Leistung, wenn auch unfreiwillig. Denn wenn auch dem Computer der Transfer von Laut in Schrift gelingt, der Inhalt bleibt okkult: Er weiß nicht, was soll es bedeuten.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>&#8220;Ich weiß nicht Wasser des bedeutenden<br />
daß ich so traurig in;&#8221;</em></p>
<p style="padding-left: 30px;">Nicht traurig, eher heiter läßt der Rechner als ansehnliches Bächlein den Anfang der Loreley ab. Konkreter Poet der Nachdichtung war die Dragon NaturallySpeaking in der Version 2.0, die sich untrainiert, nicht jedoch untalentiert unseres Vortrags annahm. Inzwischen sind ist Natural Speaking übrigens bei der Version 10 angelangt.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Die andere Spracherkennung, die mir damals zur Verfügung stand, war die erste Version vom IBM ViaVoice, das 2003 in der Version 10 erschien, aber seit 2005 nicht mehr weiterentwickelt wird. ViaVoice hielt sich zunächst eng ans Original und schafft erst ab der dritten Zeile kreative Distanz zu Heines Text:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>&#8220;ein mehr sehen aus alten Zeiten,<br />
daß, wenn nicht aus dem Sinn.&#8221;</em></p>
<p style="padding-left: 30px;">Werktreue im traditionellen Sinn kehrt in die diktierten Texte erst ein, wenn wir uns Zeit nehmen, die Software individuell einzustimmen. Nur wer auf diese Lernphase verzichtet, kommt in den Genuß, des freien poetisch Textflußes:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>&#8220;die Luft ist kühl und ist. Gilt,<br />
unruhig fließt der Freien;<br />
der gibt für des Tages. Held<br />
im abends Sonnenschein.&#8221;</em></p>
<p style="padding-left: 30px;">Naturbetrachtungen aus der Maschine. Im elektrischen Licht von ViaVoice gewinnt die Lyrik beinahe adoleszente Züge:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>&#8220;die schönste Jugend Krause zeigt<br />
dort oben wunderbar;&#8221;</em></p>
<p style="padding-left: 30px;">Da wäre mancher gerne dabei gewesen, mitten in der Daten Fülle, wenn die Spracherkennung im Fluß der Rede die Wörter ortet. Daß der Rechner dem Sprecher kein Verständnis entgegenbringen kann und der Sinn, den er gibt, analytisch ist, gibt dem berechneten Unsinn eine neue Dimension. So geht ViaVoice mit eigener Dynamik die nächsten Zeilen medienfreundlich an, um dann beinahe maßlos zu werden:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>&#8220;Sie kennt es mit goldenen Kamera<br />
und singt ein Lied der prallen;<br />
das hat eine Wunder Sammer,<br />
gewaltige Mengen und darlegen.&#8221;</em></p>
<p style="padding-left: 30px;">Das hat eine wundersame, gewaltige Melodei, hätte wohl Heine geschrieben, ließe ihn die Spracherkennung noch zu Wort kommen. Doch der Computer ist unbeeindruckt von Rang und Namen, Stellung und Stand, weiß nichts vom Ruhm des Autors und der Situation des Sprechers, kennt weder Ziele noch Werte. Der Rechner kennt weder Alter noch Geschlecht, weder Eigenheiten oder noch Sprachfehler des Redners, kann ihn nicht sehen und nur so weit hören, wie es die Qualität der Soundkarte und des Mikrophons zuläßt. Unbeeinflußt von Sympathie und Geschmack entwickelt er sich zum gerechtesten Medium der Literatur:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>&#8220;ich glaube die Quellen verschwinden&#8221;</em></p>
<p style="padding-left: 30px;">Ja, es geht nur noch um die direkte Authentizität des schriftlichen Zeichens. Der Rechner entkoppelt seine literarische Innenwelt und bevölkert sie. So bleiben in ViaVoice</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>&#8220;am Ende Chef, Frauen,&#8221;</em></p>
<p style="padding-left: 30px;">und &#8211; nomen est omen &#8211; in Natural Speaking</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>&#8220;Schäfer und Hahn;&#8221;</em></p>
<p style="padding-left: 30px;">Nun das Idyll stürzte, als wir Hand anlegten und uns gemeinsam mit der Sprachsoftware den empfohlenen Trainingsmethoden unterwarfen. Nach gewissenhaftem Proben ereilte uns am Bildschirm in klassischer Textnähe der Erfolg der Übung. Sowohl IBMs ViaVoice als auch Dragons Natural Speaking brachten dann schon damals das Lied der Loreley beinahe fehlerfrei zu Datei.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Noch einmal schmunzeln läßt uns das Quentchen Naivität, mit dem ViaVoice nach der Vokabularerweiterung mit Heines Loreley fragt, ob der analysierte Text typisch sei für unsere Diktate. Wir schütteln bedauernd den Kopf und lassen Heine noch einmal in ViaVoices Stimme erklingen. Da heißt es am Ende:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>&#8220;und das hat mit Ihrem Sinne<br />
die Lore leid getan.&#8221;</em></p>
<p style="padding-left: 30px;">Uns auch, denn den ersten Status kreativer Unschuld erlangen weder Spracherkennungen noch Sprechende je zurück.</p>
<p>Diese archivierte Erfahrung vor Augen, erstaunten wir, als wir vor anderthalb Jahren damit begannen, <a href="http://www.spinvox.com/">Spinvox</a> zu testen. Sprecherunabhängig sollte der Dienst Nachrichten, die in durchaus reduzierter Sprachqualität übers Telefon auf dem Anrufbeantworter unserer Mobilmailbox landeten, in geschriebene Texte wandeln. Und es funktionierte so gut, dass wir an der technischen Errungenschaft zweifelten, spätesten als uns ein Kollege aus dem Ruhrpott den &#8220;Prolog im Himmel&#8221; aus Gothes Faust I auf den Anrufbeantworter zitierte. Spinvox transkribierte fehlerfrei:</p>
<pre style="padding-left: 30px;"><span style="font-family: Consolas; line-height: 18px; font-size: 12px; white-space: pre;">Sie haben eine neue Voicemail von +49203586xxx</span></pre>
<pre style="padding-left: 30px;">---------
"Die Sonne tönt nach alter Weise in Brudersphären Wettgesang
und ihre vorgeschriebene Reise vollendet sie mit Donnergang.
Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke, wenn keiner sie ergründen mag,
die unbegreiflich hohen Werke sind herrlich wie am ersten Tag. Ciaoui."
- via SpinVox.
----------</pre>
<pre style="padding-left: 30px;">Nachricht erhalten am Jan 23, 2008 7:08:01 PM</pre>
<p><span style="font-family: Georgia; line-height: 19px; white-space: normal; font-size: 13px;"><img class="alignleft size-full wp-image-555" title="Faust Prolog" src="http://www.qwertz.de/wp-content/uploads/2009/08/Faust-Prolog.jpg" alt="Faust Prolog" width="525" height="363" /></span></p>
<p style="padding-left: 0px;">An diesen Text wäre spätestens beim &#8220;Brudersphären Wettgesang&#8221; so mancher orthografisch gescheitert. Lässliche Verfehlung ist daher, dass die &#8220;vorgeschriebene Reise&#8221; sich Original auf eine &#8220;vorgeschriebne&#8221; rhythmisch verkürzt. Wir wiederholten diesen Test im Laufe der Zeit mir manigfachen Texten und ganz normalen Nachrichten. Das Ergebnis überzeugte jedes Mal – abgesehen von kleinen Mißverstehern – und war&#8217;s dann schon. Wir konnten uns es nur so erklären, dass jemand handisch alles nachbearbeitet. Was die automatische Spracherkennung nicht versteht, wird von Mitarbeitern abgehört und eingetippt. Das hat sich nun bei der Spinnvox-Demo bestätigt, an der Milo Yiannopoulos teilnahm und in <a title="TechCrunch Europe" href="http://uk.techcrunch.com" target="_blank">TechCrunch</a> (UK) über sie berichtete. Sein Selbstversuch endete – wie er schreibt – beim menschlichen Nachbearbeiter:</p>
<blockquote>
<p style="margin-left: 36pt"><a title="Spinvox secures £15m more, but the demo didn’t really answer the big questions" href="http://uk.techcrunch.com/2009/08/04/spinvox-secures-15m-more-but-the-demo-didnt-really-answer-the-big-questions/" target="_blank">I left a message, at a brisk speed, that included my full name, the word &#8220;TechCrunch&#8221; and an invitation for the &#8220;recipient&#8221; to call me back. I believe that the message was a reasonable and realistic approximation of a real-world message, albeit with a few strange words in it. The SpinVox system failed to convert the whole message &#8211; ok, so most humans can&#8217;t spell Yiannopoulos &#8211; and passed it to a human &#8220;agent&#8221; (who was sitting in the room with us).<br />
</a></p>
<p style="margin-left: 36pt"><a title="Spinvox secures £15m more, but the demo didn’t really answer the big questions" href="http://uk.techcrunch.com/2009/08/04/spinvox-secures-15m-more-but-the-demo-didnt-really-answer-the-big-questions/" target="_blank">Here&#8217;s where it got ugly. From observing the &#8220;tenzing&#8221; process in action, it was clear to us that the system had failed to pick up a single word in the message correctly. The agent in the room had to listen to and </a><em><a title="Spinvox secures £15m more, but the demo didn’t really answer the big questions" href="http://uk.techcrunch.com/2009/08/04/spinvox-secures-15m-more-but-the-demo-didnt-really-answer-the-big-questions/" target="_blank">manually type the entire message</a></em><a title="Spinvox secures £15m more, but the demo didn’t really answer the big questions" href="http://uk.techcrunch.com/2009/08/04/spinvox-secures-15m-more-but-the-demo-didnt-really-answer-the-big-questions/" target="_blank">, from beginning to end. SpinVox has previously claimed that agents do not get to hear entire voicemail messages; only enough to give context and enable transcription. That&#8217;s not what I saw this morning. </a></p>
</blockquote>
<p>Da bleibt von der technischen Innovation nicht viel übrig. Der Dienstleistung tut dies keinen Abbruch, einmal abgesehen davon, dass auch vertrauliche Nachrichten nicht ungehört bleiben. Doch Abschreiben kann jeder. Vorausgesetzt er weiß, wie sich &#8220;Brudersphären Wettgesang&#8221; buchstabiert. Doch im Wettgesang der Spracherkenner hat Spinvox sein Solo verspielt. Hier bleibt mit gutem Willen höchstens noch Platz im begleitenden Chor. Statt innovativer Hightech ein solider Service. Schön und gut: Doch Konzert der IT-Konzerne geht Spinvox damit sang und klanglos unter. Oder, um abschließend noch die letzte Strophe von Heines &#8220;Lorelei&#8221; erklingen zu lassen:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>&#8220;Ich glaube, die Wellen verschlingen<br />
Am Ende Schiffer und Kahn;<br />
Und das hat mit ihrem Singen<br />
Die Lorelei getan.&#8221;</em></p>
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		<title>Und das Wort ist Schrift geworden: Wie Zeichen Zeichen setzen im digitalen Text und was uns an Substanz verloren geht</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Jul 2009 09:04:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Raymond Wiseman</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich erinnere mich jener Tage, als ich &#8211; zu schulischer Leistung gezwungen &#8211; mir Goethes &#8220;Seelige Sehnsucht&#8221; einprägte. Die Prägung hat Bestand und reicht durchaus über mich hinaus, auch wenn meine lieben Mitmenschen meine Rezitation spätestens bei &#8220;höherer Begattung&#8221; stoppen. Ehrlich gesagt: Auf ihr &#8220;Genug, genug&#8221; höre ich gerne, bevor meine Lücken im Text beginnen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich erinnere mich jener Tage, als ich &#8211; zu schulischer Leistung gezwungen &#8211; mir Goethes &#8220;<a href="http://www.deutschelyrik.de/start/Epochen/Klassik/prod/Selige-Sehnsucht.html?xz=0&amp;ci=74" target="_blank">Seelige Sehnsucht</a>&#8221; einprägte. Die Prägung hat Bestand und reicht durchaus über mich hinaus, auch wenn meine lieben Mitmenschen meine Rezitation spätestens bei &#8220;höherer Begattung&#8221; stoppen. Ehrlich gesagt: Auf ihr &#8220;Genug, genug&#8221; höre ich gerne, bevor meine Lücken im Text beginnen.</p>
<p>Dem entgegen steht die Schriftform des Textes. Hier kann alles weitergegeben werden, was aufgezeichnet wird. Das Aufzeichnen von Zusammenhängen ist nicht neu. Wer möchte, kann unter diesem Aspekt mit den ersten Höhlenmalereien die Reise in der Vergangenheit beginnen. Daß die Schrift sich zum Zeichen, der reduzierten Zeichnung entwickelte, ist ein kulturgeschichtliches Phänomen. Hierbei mag neben anderen Aspekten einerseits der Wunsch nach allgemeiner Verständlichkeit, andererseits die menschliche Bequemlichkeit eine Rolle gespielt haben.</p>
<p><img src="http://www.qwertz.de/wp-content/uploads/2009/07/072009_0903_UnddasWorti1.png" alt="" align="left" />Es gab Zeiten, da wäre solches Vergessen &#8211; kollektiv gesehen &#8211; der Untergang des Textes gewesen. Dies galt und gilt noch immer für jene Texte, die nicht in Schriftform festgehalten wurden. Ein nicht gar so altes Beispiel sind die Hausmärchen, denen das Bemühem der Grimms die Schriftform gab. Zwar hängt die mündliche Überlieferung meist nicht vom Kopf des Einzelnen ab, denn das Überleben des Textes wird durch die Erinnerung vieler Interessenten gesichert. Doch hierin liegt gleichzeitig ein wesentlicher Schlüssel: Bewahrt wird nur das Interessante. Was nicht der Rede wert war, findet keine Überlieferung.</p>
<p>Die Zeichensätze, die nicht aus Bildern, sondern aus Buchstaben bestanden, waren leichter erlernbar und auch einfacher zu schreiben. Schriftkenntnisse verbreiteten sich und waren mit der Zeit nicht länger einigen Gelehrten vorbehalten. Wer schreiben konnte, hatte die Möglichkeit festzuhalten, was er wollte. Ausschlaggebend für die Übermittlung war nicht mehr, daß interessant war, was gesagt wurde. Es wurde ja geschrieben. Das Geschriebene brauchte nicht einmal gelesen zu werden. Das Schreiben reichte, um es zu konservieren. Die einfachere Handhabbarkeit der Zeichen macht es möglich. Solange Worte rar waren, waren die Sätze getragen von Sinn. Und solange die Druckmedien fehlten, war jedes Wort gezeichnet von der Linienführung einer Hand.</p>
<p><img src="http://www.qwertz.de/wp-content/uploads/2009/07/072009_0903_UnddasWorti2.png" alt="" align="left" />Mit Gutenberg kam dann die Schrift in die Maschine und in der Folge der Sinn der Buchstaben unter die Räder. Nicht länger die Worte, in denen sie geschrieben standen, bestimmten ihre Sinngehalte, sondern sie wurden austauschbar wie eben einzelne Lettern. Zwar hatten Lettern noch Substanz, doch diese waren ungebunden, ohne Inhalt. Erst der Druck, die Fixierung auf der Seite, bändigte die freie Fluktuation, fasste sie in bleibende Wörter, Sätze, Abschnitte, deren Bögen gefalzt, gelegt, geheftet oder geleimt zum Buchblock oder Zeitung.</p>
<p>Die Texte aber, die mir heute Textverarbeitung und Internet, Downloadbücher und ePaper, PCs und digitale Lesemaschinen bescheren, fehlt dieser Zusammenhang. Sie lösen sich wieder auf: <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2009/07/19/digitale-buecherverbrennung-und-feudalismus-bei-amazon.aspx">Texte lassen sich aus dem Zusammenhang</a>, Aussagen aus dem Kontext und Zeichen aus den Wörtern entfernen. Und mehr noch.</p>
<p><img src="http://www.qwertz.de/wp-content/uploads/2009/07/072009_0903_UnddasWorti3.png" alt="" align="left" />Wenn ich heute den PC anschalte und die Textverarbeitung starte, kann ich Texte verfassen mit Zeichen, die jeder Substanz entbehren. War der einzelne Buchstabe bislang wenigstens noch ein greifbares Element, so tritt er nun als ein Konglomerat einzelner Punkte in Erscheinung. Allein hat keiner dieser Punkte einen Wert. Er birgt nichts, hat kein Gesicht, und kann beinahe bedenkenlos gegen jeden anderen Punkt getauscht werden, ohne dass dies irgendeinen Sinn änderte.</p>
<p>Vom Satz, den Menschen miteinander wechselten, über das Bild zum Zeichen. Vom Zeichen, das mit der Hand gezeichnet das einzelne Wort schrieb, über die wiederverwendbaren Lettern zum Punkt.</p>
<p><img src="http://www.qwertz.de/wp-content/uploads/2009/07/072009_0903_UnddasWorti4.png" alt="" align="left" />Die Punkte setzen mir nun alle Texte in jeder Gestalt zusammen. Endlich habe ich &#8211; rein theoretisch &#8211; die Schriften dieser Welt auf meinem Rechner. 426 Fonts zähle ich soeben. Die Zahl wächst mit jedem Tag: Die Welt der Schrift, sie paßt auf meinen Monitor. Die Schrift des Textes wechsle ich per Mausklick. Des Textes Inhalt, er bleibt unberührt. Blieb er tatsächlich gleich?</p>
<p>Seit Menschen Hand in Stein die ersten Zeichen gruben, hat auch das Medium Gewicht. Und seine Schwere oder Leichtigkeit, sie hält sich durch. Sie trägt und wird getragen. Sie prägt das, was zu sagen war, geschrieben wurde, eingegeben ist. Uns fällt die Eingabe so leicht, wie Tasten klappern, gelöscht ist schnell, nichts hat Bestand. So einfach ist die Eingabe, daß sich auf Eingebungen schnell verzichten läßt. Der schöne Text ist das geschätzte Resultat.</p>
<p>Der Inhalt wird so weich, wie jene Software die ihn faßt. Und Niederschrift ist schließlich das Ergebnis dieser Rechnung: Plus/Minus/Null. Was bleibt zu sagen?</p>
<p><em>Tut ein Schilf sich doch hervor<br />
Welten zu versüßen.<br />
Möge meinem Schreiberohr<br />
Liebliches entfließen!<br />
</em>(J.W.Goethe, West-östlicher Divan,<br />
<a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Goethe,+Johann+Wolfgang/Gedichte/West-östlicher+Divan/Buch+des+Sängers/%5bTut+ein+Schilf+sich+doch+hervor%5d">Nachsatz zum Gedicht &#8220;Seelige Sehnsucht&#8221;</a>)</p>
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		<title>Pilot Birdie Twin: Der Kugelschreiber mit Druckbleistift hat die Kappe auf</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Dec 2008 16:27:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Raymond Wiseman</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Manchmal sind es die kleinen Sachen, die uns positiv überraschen. So geschehen beim Birdie Twin, einem Stift von Pilot, der Kugelschreiber und Druckbleistift auf rund 12 Zentimeter Länge kombiniert. Dünn wie er ist passt die schreibtechnische Grundausstattung ohne aufzutragen zum kleinen Notizbuch für unterwegs. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.qwertz.de/wp-content/uploads/2008/12/122308-1630-pilotbirdie1.png" alt="" align="left" />Manchmal sind es die kleinen Sachen, die uns positiv überraschen. So geschehen beim <a href="http://www.pilotpen.de/pages/inhalt/produkte/einzeln/einzeln.php?ID=58&amp;kat=3">Birdie Twin</a>, einem Stift von Pilot, der Kugelschreiber und Druckbleistift auf rund 12 Zentimeter Länge kombiniert. Dünn wie er ist passt die schreibtechnische Grundausstattung ohne aufzutragen zum kleinen Notizbuch für unterwegs. So haben wir stets einen Stift zur Hand. Während am einen Ende die Bleistiftmine sitzt, befindet sich am anderen Ende die Spitze des Kugelschreibers. Die unbenutzte Seite des Edelstahlschreibers bedeckt eine kleine Metallhülse. Und genau diese ging auf Reisen verloren. Zunächst suchten wir im Repertoire der heimischen Stifte nach Ersatz, doch nichts wollte passen. Dann schrieben wir eine kurze E-Mail an die <a href="http://www.pilotpen.de">deutsche Pilot-Dependance</a> mit der Bitte. Keine 24 Stunden später hielten wir einen wattierten Umschlag in den Händen und in ihm befand sich eine Ersatzkappe. Einfach so. Auch wenn es sich bei diesem Ersatzteil sicherlich um einen Centartikel handelt, den der Wert des Portos überschreitet, freuen wir uns über den raschen Support. Ohne großen Worte, aber der Rede wert.</p>
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