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… was unter die Finger kommt …

Blick nach vorn im Zorn oder wie Gier nach Gadgets die Bewertung technischer Entwicklungen stört

von Raymond Wiseman

Geschichte gibt Gewicht: Das gilt fürs Feuilleton, für Wirtschaft, Politik, ja besonders auch für Sport, kaum aber je für Technik. Während kulturelle Werke durch historische Einordnung ihren Platz in der Gegenwart gewinnen (Anton Kuh hat Egon Friedell plagiiert), während der Sportreporter glänzt, indem er locker als Zeichen der Kontinuität aus dem Ärmel schüttelt, wer zwischen 1954 und 72 nie den Verein wechselte (Uwe Seeler blieb bei HSV), während Wirtschafts- und Politikredakteure versuchen Handlungssicherheit zu geben, indem sie Parallelen der Vergangenheit zitieren (am liebsten Weltwirtschaftskrisen), ist der Kollege aus der Technikredaktion stets auf der Jagd nach dem Neuen.

Keiner bemisst den Wert einer Aktie daran, dass sie noch nie an der Börse notiert, keiner die Autorität eines Politikers daran, dass er noch nie gewählt, keiner die Güte eines Werks daran, dass es bislang gänzlich unbekannt war. Wenn es aber um technische Errungenschaften geht, so sollen sie stets innovativ, zukunftsweisend und möglichst unbekannt sein, um zum Thema erhoben zu werden. Und so hetzen die Berichterstatter durch die Gänge, halten Ausschau nach dem Unentdeckten, hegen Interessen, die keiner hat, greifen begeistert jeden Trend auf, der offeriert wird, und verbreiten die schnelle Nachricht in noch schnelleren Medien, in denen sie sich versenden, bevor sie Gewicht gewinnen können.

Die Gier nach Neuem schafft ein Vakuum, in dem Luftblasen rasant wachsen, bis sie viel zu früh platzen. Was aber langsam aufgeht, lange schon gehegt, gepflegt und längst nicht mehr neu, gedeiht mitunter prächtig abseits ausgetretener Pfade in aller Ruhe, doch keiner Rede wert. Doch in der ruhigen Rückschau erinnern wir uns bisweilen, wie alles begann. Und im Licht der langen Schatten zeigt sich: Was Morgen kein Gestern hat, ist schon Heute keine Beschreibung wert, beschreie es wer will. Und wer als erster “hier” ruft, kommt oft gar nicht an.

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Ein Technik-Blog von Raymond Wiseman

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